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Interpretation des MBTI

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Gestern beschäftigte ich mich umfassender mit der Thematik Altruismus/Egoismus in Verbindung mit Berufserfolg und stieß heute lustigerweise auf einen Blogartikel dazu, neben dem sich eine Verlinkung zu einem weiteren Artikel befand, der sich eben mit dem MBTI beschäftigt. So schließt sich der Kreis wieder.

I. Was ist MBTI

Offiziell bezeichnet es das: http://de.wikipedia.org/wiki/Myers-Briggs-Typindikator. Online jedoch wird es häufig mit der Sozionik Jungs, in Extremfällen sogar mit Keirsey vermischt. Gelesen habe ich weder die Werke der Schöpfer, noch ergänzende Bücher. Daher kann und soll mein Beitrag keine Vermittlung des Wissen über das System sein, sondern eine eigene Interpretation, die teils stark abweicht. Wikipedia sollte genügen, um zu verstehen, was ich schreibe.

II. Probleme des Systems und der Auslegung

Mal ganz abgesehen davon, dass Onlinetests mit Ja – Nein Fragen kein korrektes Ergebnis erzielen können, schreiben selbst offizielle Statistiken dem MBTI keine allzu akkuraten Werte zu. Dass der Barnumeffekt für sämtliche Ergebnisse greift, ist übrigens ein Mythos. Zwischen der INTP und der ENFJ Beschreibung bestehen wesentliche Unterschiede. Jedoch gibt für jeden individuell ~4, die man nicht ganz leugnen kann.

1. Vermischung von Buchstaben und Funktionen. Während das Resultat xxxx nach dem Verhalten beurteilt wird, besteht ein Anspruch, mit den Funktionen über die mentalen Prozesse zu sprechen. Würde sich der MBTI auf Behaviorismus beschränken (die Tests sind übrigens so aufgebaut, was dann oben Beschriebenes zur Folge hat), so wäre er nicht diskussionwürdig. Einerseits fiele das Gros der Kritikpunkte weg, andererseits wäre er aber auch nutzlos, denn um Menschen in ihren Idealen und Talenten einschätzen zu können, braucht es einen Test dieser Art nicht. Daraus folgt, dass ich mich stärker mit den sinnvolleren Funktionen befasse.

2. Ein ausgedachtes System, dass etwas einteilt, das mit hoher Wahrscheinlichkeit existiert. Die biologische Basis fehlt schlichtweg, es ist also nur eine Theorie, die zugegebenermaßen plausibel klingt. Es ist also nicht möglich, willkürlich Kategorien aufzustellen, weshalb diese bereits in Frage gestellt werden müssen.

3. Fast immer werden in Beschreibungen bestimmten Funktionen Talente oder Werte zugeordnet. Das ist genauso falsch, wie jene psychologischen Theorien, die den Reifeprozess des Menschen beschreiben, und dabei Wertvorstellungen quasi als Pflicht vorgeben. Beispielsweise: Te = Organisation Si = Gedächtnis. Das hieße nämlich, dass, wer diese Funktionen gerade nicht besitzt, auch auf die Fähigkeiten nicht zugreifen kann. Ein lebensfähiges Wesen ist mit dieser Auslegung nicht zu vereinbaren. ´Korrelationen bestehen durchaus, und das in einem nicht zu verachtenden Maß, aber als eigentliche Erklärung sind sie nicht zu verwenden.

III. Funktionstheorie

Wichtig ist die Aufteilung in die Perceivingfunktionen (Ni, Ne, Si, Se) und die Judgingfunktionen (Ti, Te, Fi, Fe). Das deshalb, weil nur so sinnvolle Vergleiche gezogen werden können. Wir wollen ja keine Äpfel mit Birnen vergleichen.  Beim Lesen diverser Foren habe ich den Eindruck gewonnen, dass die meisten eher die Judgingfunktionen verstehen, und sich nicht erklären können, wie Perceivingfunktionen definieren sind. Angesichts der verschiedenen Vermittlungsversuche – ua. mit Beispielen, was eigentlich nur nach hinten losgehen kann – ist das auch kein Wunder. Judgingfunktionen dagegen sind klar und anschaulich. Oder auch nicht. Fast immer wird nur verstanden, was andere, leider fälschlich, erzählen. Das sind tatsächlich meist Werte und Talente, die ich ja gerade raushalten will. Aber auch die abstrakten Erläuterungen sind oft ohne Inhalt. „Subjektive Logik vs. Objektive Logik und Subjektive Gefühle vs. Objektive Gefühle“ mag zwar einleuchtend klingen, aber fragt man nach, so kommt nicht viel dabei heraus. Am schwierigsten war, und ist es auch immer noch für mich, zwischen Ti und Fi zu differenzieren. Aber dazu später.

1. Perceivingfunktionen

Im Gegensatz zu den Judgingfunktionen zweifelte ich die Existenz der Perceivingfunktionen nie an, auch wenn es der Präzision bedurfte. Vor einigen Wochen erstellte ich im Zuge einer Konversation folgende Grafik:

perceiving functions 2

Dass Information von jedem anders aufgenommen wird, ist anerkannte Tatsache. Es stellte sich hier die Frage, ob es sich so anordnen lässt, dass extrovertierte und introvertierte Orientierungen sich ausschließen.  Jung sagte hierzu übrigens, dass jeder Mensch jede Funktion besitzt, sich aber auf eine oder zwei beschränkt und sie vor allem nicht gleichzeitig anwendet. Das könnte darin begründet sein, dass eine jede Funktion sich in eine andere Richtung bewegt, und bei gleichzeitiger Benutzung die andere behindern würde. Eine weitere Variante, die Jung widerspricht, wäre die, die alle Funktionen gleichzeitig agieren lässt, ihnen aber verschiede Kapazitäten zuspricht, sodass man nur auf die erste zugreift, weil nur sie schnell und hochwertig Ergebnisse liefert. Dabei würde man, falls nötig, die Kapazität umschichten. Dies lässt auch die Möglichkeit zu, Funktionen zu trainieren, bzw. die Umschichtung präziser durchzuführen.

Wie es auch immer abläuft, meine Interpretation beinhaltet beides. Spontan würde man sich jetzt vielleicht beim S/N Unterschied ansetzten, aber ich beginne auf drei Zeitebenen. Während Si Gegenwart und Vergangenheit/Gegenwart und Ni Gegenwart/Zukunft verbinden, sind sowohl Ne als auch Se Funktionen der Gegenwart. Wie die beiden anderen Funktionen reagieren sie auch auf Information der Gegenwart, allerdings indem sie die Information auf derselben Ebene belasse. Die Annahmen, dass Si ein gutes Gedächtnis garantiert, und Ni die Fähigkeiten, die Zukunft vorherzusehen, sind entschuldbar, aber dennoch falsch.

Das ergibt dann Folgendes:

perceiving functions 3

Die EPs sind also am stärksten, und die IJs am wenigsten in der Gegenwart verankert (man merke: realistisch/pragmatisch != im hier und jetzt lebend). Durch die Anordnung wird ersichtlich, wie es dazu kommt, dass man gerade an der dominanten Funktion zweifelt. Ein ENFJ beispielsweise ist zu weit von Ne entfernt, als dass es in Frage kommen würde. Beim INFJ stellt sich die Lage so dar, dass das N klar überwiegt, Ne aber durchaus nicht unerreichbar ist. Dazu kommt natürlich noch, dass die dominante Funktion häufig gar nicht als Funktion wahrgenommen wird, sondern man animmt, dass jeder Mensch diese spezifische Denkstruktur besitzt. Bei Perceivingfunktionen ist die Gefahr höher, diesen Fehler zu machen, da man sie weniger bewusst verwendet..

2. Judgingfunktionen

Wie bereits erwähnt, habe ich diese schon immer in einem kritischeren Licht betrachtet. Überzeugt von ihrer Existenz, wenn auch nicht zwingend in dieser Form, wurde ich durch eine Aussage. „Das ist unlogisch, weil ich es falsch finde.“ Natürlich eine vollkommen unsinnige Aussage, wie die sich äußernde Person nach einer kurzen Erklärung einräumte.

Aber von vorne. Bei der verbreiteten Auffassung „Te = Planung, Fe = Empathie, Fi = Moral, Ti = Logik“ gelangt man schnell an eine Stelle, an der es nicht mehr weitergeht. Ein Mensch ohne Planung? Ein Mensch ohne Moral und Werte? Ein Mensch ohne Logik? Entweder besitzt sehr wohl jeder alle Funktionen, wobei man ohne Empathie zur Not auch auskommen könnte, oder die Assoziationen sind schlicht falsch.

Vor allem stellt sich die Frage: Was genau ist nun der Unterschied zwischen Moral und innerer Logik? Wer sich ein inkonsistentes Wertesystem baut, der hat schlicht versagt. Innere Logik hingegen wird in gewisser Weise auch zur Moral. Eine Grenze lässt sich da nicht ziehen. Vollends absurd wird es, wenn man sich überlegt, dass Fi auch andere Judgingfunktionen als Moral zum Gegenstand haben könnte. Hier relativiert sich das gesamte System und verliert an Wert. Weiterhin schließen sich Ti und Te nach den meisten Definitionen nicht aus. „Ti interessiert, wie, und Te, ob es funktioniert“. Ganz im Gegenteil, es ist fast unmöglich nur einen Aspekt zu betrachten. Ohne zu wissen wie es funktioniert, lässt sich schwer beurteilen, ob es angemessen ist. Und wenn es der gewählten Aufgabe gemäß nicht funktioniert, dann scheint auch die Funktionsweise Mängel zu haben. Gerade das oft gewählte Beispiel von Schulnoten untermauert gerade nicht die genannte These. Angenommen Te will tatsächlich nur Resultate erzielen, und Ti den Stoff verstehen (was so übrigens nicht stimmt) – beides ist möglich und miteinander vereinbar. Beiderlei Ansprüche stehen sich nicht etwa im Wege, sondern wirken sich kombiniert sogar förderlich aus.

Zurück zur Frage der Lösung.  Wie auch immer ich es drehte, konnte ich keine abstrakten Definitionen finden, bei denen sich die Funktionen so ausschließen, wie im Originalsystem vorgegeben, und gleichzeitig einen normalen Menschen hervorbringen. Auf einen Holzweg führte mch die Überlegung, dass Fi und Ti bzw. Fi und Fe Ziele vorgeben, die irgendwie ausgeführt werden. Das klingt lediglich bei einigen wenigen Typen plausibel, resultiert für den Rest in komplettem Unfug.

Bleibt also nur die Variante, die andere Kombinationen zulässt. Ähnlich wie auch bei Perceivingfunktionen sind die Judgingfunktionen geschichtet zu betrachten. Dabei bilden sie verschiedene Betrachtungsweisen. Theoretisch könnte jede Person alle besitzen, nur ist das unnötig und verbraucht auch hier wieder Kapazitäten. Einzige Einschränkung ist, dass von den zwei stärksten eine Funktion introvertiert und eine extrovertiert sein muss. Warum?

Te beurteilt die Interaktion eines Gegenstands mit der dinglichen Umwelt.

Ti beurteilt den Gegenstand an sich unter objektiven Maßstäben. (ohne Beziehung zum Betrachter)

Fe beurteilt die Interaktion eines Gegenstandes mit der menschlichen Umwelt.

Fi beurteilt den Gegenstand an sich unter subjektiven Maßstäben (Beziehung zum Betrachter)

So also meine Definitionen, wenn man nun unbedingt am Begriffspaar ratio – emotio festhalten möchte (das natürlich diskussionswürdig, aber nicht an dieser Stelle ist)

Ohne eine der beiden Ausrichtungen könnte man entweder die Gesellschaft oder sich selbst nicht verstehen. Achtung, Handlungsfähigkeit besteht auch bei Fi/Ti noch, es mangelt lediglich am Verständnis. Eine kurze Prüfung ergibt, dass Ti/Te und Fi/Fe hier möglich sind. Widersprüche, die sich ergeben, bestehen ebenso bei Fi/Te und Ti/Fe, was aber ein Ergebnis der Schichtung ist. Fi/Te beispielsweise: Wenn ich mich mit etwas identifizieren kann ist das schön und gut, aber leider nutzlos, falls es nicht effizient ist. Die erste Funktion bestimmt also notwendige Bedingung, während alles weitere „nice to have“ ist, oder bei gleichen Eigenschaften den Ausschlag gibt. Aus den Maßstäben nach denen geurteilt wird ergeben sich die typischen Talente, die man oft in Beschreibungen liest. Sie sind aber wie gesagt nicht identisch.

Was ich weglasse ist die Liste von verallgemeinernden Erklärungen, wie man (bzw. musste ich von mir selbst ausgehen) den jeweiligen Funktionen in der exakten Reihenfolge gegenübersteht. Es mag eine nette Überlegung sein, aber geht allzu sehr ins Detail und ist zu individuell, als dass die Schubladen noch irgendeinen Wert hätten.

IV Anwendung

Was also kann der Normalo, der weder Teams leitet noch Seminare gibt oder Bewerber selektieren muss (wobei dass nur in Amerika mit Persönlichkeitstests dieser Art zu geschehen scheint), mit dem Wissen anfangen? In erster Linie erklärt es Vergangenes. Mit wem man nicht klarkam, welche Missverständnisse entstanden, die eigene Außenwirkung – Teile lassen sich mit dem MBTI erklären. Wirklich sinnvoll ist es nicht, zumal es eigentlich nur in andere Worte gefasster common sense ist. Um es nutzbringend anzuwenden, müssen Personen schnell eingeordnet werden können. Auch dann muss man sich aber der Gefahr bewusst sein, nicht vollkommen akkurat einzuschätzen, und so einen vollkommen falschen Weg einzuschlagen. Zusammenfassen lässt sich sagen, dass die Auffassungsgabe im Bezug auf Menschen und deren verhalten geschärft wird, aber nur dann, wenn man sich durch Kategorien nicht beschränken lässt, sondern sie eher als ersten Ansatz verwendet und dann mit verschiedenen Arten zu sprechen und zu argumentieren herumspielt. Mir jedenfalls hat es dahingehend genutzt, andere Perspektiven nachvollziehen zu können.

Übrigens: Nach drei Wochen Studium kam mir während der Rechtssoziologie Vorlesung, also nicht komplett aus der Luft gegriffen, erneut dieser Artikel in den Kopf. Selbstverständlich ist jede Funktion auf ihre Art nützlich, aber Ti-Ne ist wohl klar an erste Stelle zu setzen. Darauf folgend Ni-Te, andere Kombinationen in großem Abstand dahinter. Wir werden sehen, wie ich das nach den ersten Prüfungen werte.

Abschließend empfehle ich noch die Lektüre des anfangs erwähnten Blogs.

http://cdvolko.blogspot.de/

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